Bericht Online-Vortrag zum Thema „Housing First“ (10.12.21)

Am 10. Dezember 2021 veranstaltete die „Wohnungslosen-Unterstützung Tübingen“ ihren ersten (Online-)Vortrag und zwar zum Thema „Housing First“.
Dafür konnte sie Stefan Laurer von „Housing First Berlin“, einem 2018 gestarteten Modellprojekt, gewinnen. Unterstützt wurde der Vortrag von „Input Tübingen“ und dem „Wohnraumbündnis Tübingen“.

Der Referent erklärte seinem Publikum, dass das Konzept „Housing First“ aus den USA kommt. Zentrales Prinzip von „Housing First“ sei „Wohnen ist ein Menschenrecht!“.
Um dieses würden sich acht Prinzipien herum gruppieren:
Allerdings dürfte „Housing First“ ist nicht als „Housing only“ missverstanden werden.
Die Menschen würden weiter betreut mit den Problemen, die viele hätten (Suchtkrankheiten, psychische Krankheiten, Arbeitslosigkeit etc.).
Wohnraum werde bedingungslos und mit so wenig wie möglichen Voraussetzungen vergeben.
Wichtig sei der akzeptierende Ansatz. Man nehme die Menschen so, „wie sie zu uns kommen“, so der Referent.
Man wolle keinen Druck auf Wohnungslose ausüben und versuche kein Machtgefüge zwischen Sozialarbeiter und dem Menschen, der betreut werde, entstehen zu lassen.
Gleichzeitig würden diverse Unterstützungen und Hilfen angeboten.
Die Klient*innen bekämen einen unbefristete Mietvertrag.
Die Unterbringung erfolge dabei im gemischter Wohnbevölkerung („scattered housing“ = „verstreutes Wohnen“), um eine Ghettoisierung zu vermeiden.

Bei „Housing First Berlin“ habe man ein Team, welches sich nicht nur aus Sozialarbeiter*innen zusammensetze. Es gebe auch Sozialbetreuer*innen, sowie einen Peergroupworker und einen Wohnungsscout, der die Wohnungen besorge.
Tatsächlich wäre in der Regel nach vier bis sechs Wochen eine Wohnung da.
Man würde von „Hosing First Berlin“ einen Vereinbarung mit den Vermieter*innen abschließen um als zusätzliche Kontaktperson in Fällen von Problemen zu fungieren. Man rate Klient*innen zusätzlich dringend zu einer Haftpflicht und Hausratversicherung.

In der Folge dieser Herangehensweise konnten bei dem Projekt in Berlin über 90% der Klient*innen die Wohnung über die drei Jahre halten.
Allerdings ist die Warteliste des Projektes lang. Derzeit ständen auf der Anfragenliste 621 Personen.

Ein Kollege des Referenten betonte am Ende der Veranstaltung:
„Obdachlosigkeit ist kein Naturphänomen!“

Alle Informationen zu dem Projekt gibt es unter hier:
* Homepage: https://housingfirstberlin.de
* Facebook: http://facebook.com/housingfirstberlin
* Twitter: https://twitter.com/HousingFirstB
* Instagram: https://www.instagram.com/housingfirst_berlin/

Housing First – ein Konzept auch für Tübingen?

10. Dezember 2021, 19 Uhr

Link: https://webinar.rosa-reutlingen.de/b/inp-t4x-pdz

Housing First wurde im Oktober 2020 als dreijähriges Modellprojekt in Berlin gegründet. Die begleitende Evaluation hat den Erfolg dieses Konzepts bestätigt, so das es nun als reguläres Projekt weiterarbeiten kann. Die Senatsverwaltung für Soziales hat in ihrer Planung „Obdachlosigkeit in Berlin bis 2030 beenden“ Housing First als eine Säule benannt.
Stefan Laurer, Diplom Sozialarbeiter/-pädagoge bei „Housing First Berlin“, wird uns eine sachkundige Einführung in das Thema geben.
Daran anschließend soll diskutiert werden, inwieweit das Konzept auch in Tübingen angewandt werden könnte.

Eine Veranstaltung der „Wohnungslosen-Unterstützung Tübingen“ (WUT) in Kooperation mit dem „Wohnraumbündnis Tübingen“ und „Input Tübingen“.

Bald zehn Menschen in Tübingen obdachlos?

Die Kontext-Wochenzeitung erwähnt in einem Artikel über das besetzte Haus Gartensia in Tübingen auch das der freistehende Wohnraum von etwa 10 Wohnungslosen genutzt wird.
Darunter sind auch ganze Familien für die es keine Ersatz-Unterkunft gäbe.
In dem Text heißt es:
„Wo sie nun hin sollen, wenn sie die Gartensia verlassen müssen? „Kein Dach. Kein Haus. Mal sehen“, sagt Zoltan schulterzuckend. Er lebt seit 23 Jahren in Tübingen, viele davon auf der Straße.
[…] Zoltan hat viel Diskriminierung erlebt, berichtet er, und schlechte Erfahrungen gemacht mit den Notunterkünften der Stadt. Dort ist es Familien oft nicht möglich, gemeinsam unterzukommen, es gibt eine strikte Geschlechtertrennung […]
Die im Haus verbliebenen Menschen sollen von der Stadt gebeten werden, das Gebäude zu verlassen, wobei „ihnen, wo möglich, Alternativen“ angeboten werden könnten.“

In Tübingen fehlt weiter eine Familien-Notübernachtung.